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Montag, 04 Dezember 2017 09:32

Wie geht's weiter mit der Nik Collection?

Wie geht's weiter mit der Nik Collection?

Fast jeder kennt sie. Fast jeder hat sie irgendwann einmal ausprobiert. Doch wie geht es weiter mit den beliebten Plugins für Photoshop und Lightroom? Seit der Übernahme durch Google ist viel Zeit verstrichen, aber nichts passiert, außer dass die Plugins kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Nun wurde bekannt, dass DxO die Plugins von Google übernimmt und eine Weiterentwicklung plant. Was können die Anwender erwarten? Ein Blick in die Glaskugel.

Historie

Für die ursprünglich von Nik Multimedia stammende Plugin Collection "Nik Collection" wurde bereits in den späten 90er Jahren der Grundstein gelegt. Der Firmengründer Nils Kokemohr startete 1995 mit einem EinMann-Unternehmen in Hamburg und entwickelte damals zunächst sehr spezielle Schrifteffekte, die darauf basierten, Arbeitsschritte in Photoshop zu automatisieren. In etwa das, was heute per Aktionsskript realisiert werden kann, wenn man denn weiß, was man tun möchte. Da es Aktionsskripte damals noch nicht gab, kann man sagen, dass Nils Kokemohr mit seinen Nils' Type Efex! schon in dieser noch jungen Phase der Bildbearbeitung am PC den richtigen Riecher besaß und bei den Anwendern ins Schwarze getroffen hat. 1999 erschienen erstmals die Nik Color Efex!, damals noch als Einzelfilter und nicht mit der Möglichkeit verschiedene Filter in einem Schritt miteinander zu kombinieren oder Kontrollpunkte (U-Points) zu setzen.

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Es muss wohl nicht erwähnt werden, dass mit den Color Efex der endgültige Durchbruch erreicht war, schließlich ist dies das wohl am meisten benutze Plugin aus der Nik Collection bis heute.

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Der Höhepunkt wurde Mitte/Ende der 2000er Jahre erreicht, als neben Nik Sharpener und Nik Color Efex die Produkte Nik HDR Efex, Nik Silver Efex, Nik Silver Efex und Viveza erschienen. Nach der Firmensitzverlegung in die USA und dem neuen Firmennamen "Nik Software Inc.", was spekulativ wohl eher private Gründe hatte, war abzusehen, dass die Weiterentwicklung nicht mehr ernsthaft voran getrieben werden würde. Das letzte funktionale Update für die gesamte Collection erschien im Jahre 2008. Faktisch hat sich seit dem an der Software nichts mehr getan. Die bis heute anhaltende Popularität lässt sich durch 3 große Faktoren erklären:

  1. 2012 wurde "Nik Software Inc." vollständig durch Google übernommen. Die gesamte Nik Collection wurde daraufhin unverändert kostenlos zum Download angeboten.
  2. Die Filter sind sehr flexibel einsetzbar und haben teilweise einen recht markanten Charakter (z.B. der Detail Extractor)
  3. Es ist möglich die Filter auch direkt in Lightroom zu verwenden, wodurch natürlich eine viel größere Zielgruppe erreicht wird.

Aktueller Stand

Die Software ist definitiv in die Jahre gekommen. Ein sehr großes Problem ist die Bedienbarkeit. Während inzwischen die gängigen Produkte der täglichen kreativen Arbeit alle mit FullHD- und 4K-Bildschirmauflösungen umgehen können, ist die Oberfläche der Nik Filter noch nicht daran angepasst. D.h. Schriften, Schaltflächen, usw. adaptieren nicht in der Größe und werden enorm klein dargestellt. Das macht die Bedienung sehr unkomfortabel und umständlich, man muss sehr genau schauen, wo man hin klickt.

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Auch die Performance ist ausbaufähig. Es ist nicht bekannt in welchem Jahr die technische Optimierung der Produkte aufgehört hat, klar dürfte jedoch sein, dass keinerlei Befehlssatzerweiterungen der neueren CPU-Generationen und erst Recht keine GPU-Unterstützung in die Software eingeflossen sein dürfte. Daher wartet man bei jedem Output je nach Bildgröße einige Sekunden bis ColorEfex die Berechnungen abgeschlossen hat.

Die Zukunft

Doch alles wird gut! Oder nicht? Ende Oktober 2017 gab DxO bekannt, dass sie die vollen Rechte der gesamten Nik Produktgruppe von Google übernommen haben und gleichzeitig für Mitte 2018 eine neue Edition ankündigen. Was können wir davon erwarten? Welche Ziele verfolgt DxO? Wird es funktionale Erweiterungen geben? Bleibt die Software kostenlos?

Die Übernahme von Nik Software Inc. durch Google könnte ein reines Investgeschäft gewesen sein. Google ist bekannt dafür durchaus einfach mal Unternehmen aufzukaufen, auch wenn nicht sofort ersichtlich ist, wofür die eingekauften Produkte genutzt werden sollen. Es ist nicht bekannt ob der Verkauf der Nik Collection nun ein Plusgeschäft war für Google, aber es dürfte klar sein, dass DxO dafür einen ordentlichen Betrag gezahlt hat. Wir erwarten daher, dass DxO im ersten Schritt (anders als Google) versuchen wird den eigenen Unternehmensnamen mit den Produktnamen zu verknüpfen. Mitte 2018 freuen wir uns also auf die "neuen" Produkte "DxO Color Efex", etc. :) Viel wichtiger als der Name ist aber natürlich was sich funktional ändern wird.

  • DxO wird die Oberfläche anpassen müssen, damit die Software mit heute üblichen Bildschirmauflösungen kompatibel ist und wieder bedienbar wird.
  • DxO wird perspektivisch sicherlich auch Leistungsoptimierungen durchführen. Während man neue CPU-Features relativ problemlos durch ein erneutes Übersetzen des Quelltextes mit einem aktuellen Compiler nutzen kann, muss für wirklich effektive Beschleunigungen wie die Nutzung der Grafikkarte deutlich mehr getan werden. Ob dieser Schritt schon mit dem ersten Release 2018 erfolgt, ist fraglich.
  • Einige der Nik Produkte sind sehr ähnlich (Color + Silver Efex), manche haben große Konkurrenten auf dem Markt (HDR Efex), manche fanden schon früher kaum Verwendung (Viveza). Wir rechnen daher damit, dass DxO viele Teile wegrationalisieren wird, die nicht wirklich marktrelevant sind und andere zusammenfasst, um ein umfänglicheres Produkt daraus zu machen.

Wir glauben nicht, dass DxO viel Zeit in neue Filter stecken wird. Dafür beinhaltet gerade Color Efex zu viele bewährte Algorithmen, die noch lange gemolken werden können, ohne dass man echte neue Features hinzufügen müsste. Bereits jetzt fließen aber schon erste Konzepte der Nik Collection in die eigenen Produkte bei DxO. So ist im Produkt DxO PhotoLab bereits die Rede von der "U-Point Technologie", um lokale Korrekturen zu ermöglichen, also genau das gleiche Konzept, das bei Color Efex&Co. verwendet wurde.

Und genau hier beginnt auch die Misere für die Adobe-Nutzer. Welches Interesse sollte DxO daran haben, diese Software in Konkurrenzprodukten weiterhin am Leben zu erhalten?

Wir rechnen in jedem Fall damit, dass die Zeiten der kostenlosen Nutzung dieser Produkte vorbei ist ab Release der 2018er Edition. Ähnlich wie bei Google wird die alte Version derzeit noch kostenlos angeboten, aber niemand sollte erwarten, dass ein neues Release umsonst wird. Noch schlimmer: DxO könnte sogar vollständig auf eine weitere Unterstützung von Lightroom und Photoshop verzichten und die Nik Collection stattdessen nur noch ins eigene Produkt integrieren. Thematisch sind die eingekauften Effekte eine perfekte Ergänzung für die eigenen Erweiterungen DxO FilmPack (Analaogfilmeffekte) und DxO ViewPoint (Perspektivkorrektur).

Natürlich ist das alles reine Spekulation. Wir hoffen, dass DxO uns eines besseren belehrt und die Nik Collection weiterhin auch Adobe-Anwendern in Lightroom und Photoshop zur Verfügung steht. Mitte 2018 werden wir es alle wissen. Ihr wisst es schon? Dann schreibt es uns in die Kommentare :)


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